von Julia R. (21. September 2018 17:04 Uhr)Am Freitag, den 14.09.2018 fuhr unser Jahrgang nach Schwedt zu den Uckermärkischen Bühnen. Wir besuchten mit unseren Deutschlehrern das Theaterstück „Unter W@sser“, welches im kleinen Saal aufgeführt wurde. Schon der Titel fiel durch seine Schreibweise auf, ließ uns auf ein modernes Theaterstück hoffen und machte klar, dass es wohl eher an uns Jugendliche gerichtet ist.
Die Regie führte, die an der Hochschule für Schauspielkunst in Berlin studierte, Rebekka David. Sie machte das Buch der Autoren Jean-François Guilbault und Andréanne Joubert lebendig.

Das Stück handelt von der technikinteressierten Louisa, die durch Zufall an die Zugangsdaten für das Schulintranet kommt, da ihre Lehrerin vergessen hatte, sich aus diesem abzumelden. Mit dem Zugang zum schulinternen Intranet scheint ihr die Welt offen zu stehen. Mit einem Klick kann Louisa Noten ändern oder Lösungen für Prüfungen einsehen. In einem Online-Forum schafft sie sich ein neues Ich, Narziss, und bietet ihren Klassenkameraden an, Wünsche zu äußern. Alles läuft so wie sie sich es vorgestellt hatte, bis sich ein gesendetes Nacktfoto aus Versehen über diese Plattform verbreitet. Nun verliert Louisa alias Narziss die Kontrolle.
Im Grunde wird in dem Stück darauf hingewiesen, dass wir Jugendliche auch in unserer modernen hoch technisierten Welt die Probleme haben, die auch schon die jungen Menschen vor uns hatten. Trotz dem unvermeidlichen Umgang der Jugendlichen mit den digitalen Medien in unserer scheinbar virtuellen Welt ist es schwierig das eigene Ich, die Anerkennung und die Liebe zu finden.

Gleich zum Anfang war etwas anders. Es wurde nicht, wie üblich auf das Handyverbot während der Vorstellung hingewiesen, sondern es wurde sogar ausdrücklich darum gebeten, sich einzuloggen und das Handy bereitzuhalten.
Zu Beginn fand ich es schwierig, mich in die Handlung hineinzufinden. Das Bühnenbild hatte Robin Metzer entworfen. Die Bühne war sehr dunkel und minimalistisch gestaltet. Eine Erhöhung - aussehend wie ein Podest - teilte die Bühne in zwei Ebenen und es wurde mit Lichteffekten auf das Theaterstück eingewirkt. Mit der richtigen Beleuchtung wurden wichtige Szenen hervorgehoben und unsere Aufmerksamkeit darauf gelenkt.
Alle warteten gespannt auf den Einsatz ihrer Handys. Für die erst spät eingesetzten Videosequenzen, die den Chat aller eingeloggten Handys aufzeigte, war Florian Kiehl verantwortlich. Karl Friedrich Schulz begeisterte das Publikum zusätzlich mit treffender Musik. Die beiden Schauspieler Lisa Rothhardt und Conrad Waligura waren in einer Einheitsuniform gekleidet und erzählten die Geschichte im Rahmen eines Rollenspiels. Sie spielten die Rollen der Louise, Sed, Narziss, Eko, Guillaume und Joanie. Die unterschiedlichen Charaktere wurden von ihnen durch ihre Mimik und Gestik unterstrichen. Die Schauspieler sprachen zum Teil sehr schnell. Das ganze Stück war aufgrund dessen sehr zügig. Vieles wurde offen gelassen und meiner Fantasie wurde freien Raum gegeben. Besonders beeindruckt hat mich der Gesang von Lisa Rothhardt. Hier wurden bestimmt nicht nur bei mir Emotionen hervorgerufen.

Mich hat die Theateraufführung begeistert und ich denke, dass uns klar gemacht werden sollte, welche immense Macht die modernen Medien haben und wie die Jugendlichen dadurch in eine, wahrscheinlich ungewollte, Isolation gelangen. Persönliche, freundschaftliche Kontakte werden kaum noch gepflegt.
Es ist verführerisch, sich im Internet anonym zu bewegen und Dinge anzusprechen oder auszulösen. Gerät aber etwas außer Kontrolle ist, es sehr schwierig, es wieder auf die richtige Bahn zu lenken oder gar etwas zu löschen.

Ich fand es sehr schwer, die Handlung nachzuvollziehen. Allerdings war es eine brillante Idee, dass wir durch die digitale Verbindung mit unseren Handys Einfluss auf das Theaterstück nehmen konnten. So etwas habe ich noch nie gesehen und fand es spannend, dies mitterleben zu können. Jedoch wurde aufgrund des ständigen WhatsApp-Chats vom eigentlichen Geschehen auf der Bühne etwas abgelenkt.
Ich würde die Theatervorstellung gerne noch einmal besuchen, um herauszufinden, was passieren würde, wenn zum Beispiel ein anderes - älteres oder ernsthafteres - Publikum bei dem Stück mitmacht. Würde dies möglicherweise die ganze Handlung verändern?
Mir persönlich hätte es gefallen, wenn am Ende der Aufführung auf den Umgang mit den modernen Medien hinweisen würde und bei auftretenden Problemen Lösungsvorschläge benennt.
Bei mir sind nach der Vorstellung noch einige Fragen offen geblieben, wie zum Beispiel: Welche Rolle hatte das Popcorn? Was sollte hiermit zum Ausdruck gebracht werden?
kommentiert von Waltraud Bartsch (24. September 2018 21:26 Uhr)Hallo Julia, Dank für deine Zuschrift. Gerade die Ausführlichkeit ist eine sehr schöne Reaktion auf unser etwas ungewöhnliches Theaterexperiment, in das wir uns zu diesem Thema sehr gerne gestürzt haben. Du hast doch so viel entdeckt, da will ich dir gar nicht unsere Antworten geben. Ich finde an dieser Inszenierung ausgesprochen gut, dass sie so gar nicht didaktisch daherkommt. Wir nehmen in Kauf, dass sich die Zuschauer entscheiden müssen, wem sie folgen und so vielleicht etwas verpassen. Entscheide du dich!
Wenn wir jetzt miteinander im direkten Gespräch wären, würden wir sehr schnell sehr viele Antworten auf deine beiden letzten Fragen haben. Tauscht euch doch noch mal in der Gruppe dazu aus.
Wir spielen bis zum Jahresende noch fünf Vorstellungen am Vormittag in Schwedt und Zollbrücke. Vielleicht gelingt es, im Frühjahr noch einige Vorstellungen, auch im Abendspielplan, zu spielen. Komm unbedingt noch einmal. Wir wissen, dass es für alle Generationen ein wichtiges Thema ist und auch auf das Interesse von Erwachsenen trifft. Das Theater kann aber keine Lösungen bieten. Wir empfinden es als unsere Aufgabe, gesellschaftliche Probleme aufzugreifen und zu sensibilisieren.
Schau mal in unseren Spielplan, du wirst weitere Stücke (z.b. Die Räuber - übrigens auch mit Lisa Rothhardt und Conrad Waligura-, Ein Knochenjob) finden, die "nur" Probleme aufwerfen. Sich ihnen als Zuschauer anzunähern und Theater als Kommunikationsort zu begreifen, würde mir persönlich gefallen. Und vielleicht sind wir ja nach deinem nächsten Theaterbesuch auch im direkten Gespräch. w.b., Theaterpädagogin


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