von Pia M. (27. September 2018 16:09 Uhr)Am 14.09.2018 besuchte der gesamte Jahrgang 11 des Einstein-Gymnasiums Angermünde die Premiere des Theaterstücks „Unter W@sser“ in den Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Bei der Aufführung handelt es sich um ein Jugendstück von Andréanne Joubert und Jean-François Guilbault, welches in Koproduktion vom Theater am Rand Zollbrücke und den Uckermärkischen Bühnen Schwedt auf die Bühne gebracht wurde.

Das Stück thematisiert den grenzlosen Einfluss der digitalen Netzwerke auf unser Leben und deren Risiken. Die Schülerin Louise ergreift aufgrund der Unachtsamkeit eines Lehrers die Chance, an die Zugangsdaten des Intranets ihrer Schule zu gelangen. Plötzlich scheint ihr alles möglich. Anonym eröffnet sie unter dem Decknamen „Narziss“ ein Forum, in dem sie ihren Mitschülern kleine Wünsche in Erfüllung gehen lässt. Nur mit ein paar Klicks ermöglicht sie Zugang zu den Lösungen der nächsten Klausur, verbessert Zensuren und lässt sogar für einen Tag die Schule schließen. Narziss genießt ihre Rolle als Superheld. Auf einmal ist jeder Tag aufregend, endlich passiert etwas in ihrem Leben. Doch schon bald läuft das virtuelle Spiel immer mehr aus dem Ruder. Narziss muss ständigem Druck standhalten und auch in ihrem realen Leben gerät sie ins Wanken. Was passiert also, wenn das virtuelle Heer real zurückschlägt?

Die Atmosphäre vor Beginn der Aufführung wirkt sehr erwartungsvoll, da das Theaterstück erstmals live durch einen Gruppenchat des Publikums beeinflusst wird. Alle sind gespannt auf das, was noch geschieht. Während der Vorstellung kann das Publikum in einem WhatsApp-Chat durch das Beantworten von Fragen den Verlauf des Stücks mitbestimmen. Narziss lässt daraufhin unsere Wünsche in Erfüllung gehen. Es gibt einige Momente zum Lachen. Doch zum Ende hin ist das Stück sehr tragisch, als Narziss allmählich die Kontrolle verliert.
Teilweise ist man durch den Gruppenchat abgelenkt und kann nur schwer der Aufführung folgen, so fehlt mir einige Male der Zusammenhang zwischen den einzelnen Szenen. Jedoch vollbringen die Schauspieler Lisa Rothhardt und Conrad Waligura eine beeindruckende Leistung, da diese sich in die heutige Welt der Jugendlichen hineinversetzen müssen und gleichzeitig mehrere Rollen im Stück übernehmen. Beide Schauspieler überzeugen mit einer starken Betonung und verleihen ihrem Text so noch einmal besonderen Nachdruck. Auch die roboterartigen Bewegungen und die dazu passende Sprache (in der virtuellen Welt) gestalten das Stück interessant. Durch die unterschiedliche Gestik und Mimik wirkt das Stück sehr authentisch. Zusätzlich gleichen sich beide Figuren in ihrer Kleidung. Jedoch stellt sich die Frage, was man damit ausdrücken möchte?
Das Bühnenbild ist sehr einfach gestaltet. Außer eines Eisengerüstes, auf dem sich die virtuelle Welt abspielt, gibt es nur wenige Gestaltungsmittel, wie Lichteffekte oder Musik, so müssen Lisa Rothhardt und Conrad Waligura mit ihrem Schauspieltalent das Publikum überzeugen. Dabei sind einige Requisiten der Vorstellung des Zuschauers überlassen, mit Ausnahme weniger Materialien, wie beispielsweise das Popcorn, welches verschiedene Rollen einnimmt, und anderer kleine Effekte, wie das Ertönen eines Alarms.
Nach der außergewöhnlichen Vorstellung gibt es viel zu erzählen, einige Fragen und evtl. Unklarheiten, die von den Schauspielern, der Regie und der Produktion im Anschluss persönlich aufgeklärt werden. Zudem kann man über besondere Momente aus dem Stück etwas beisteuern.

Ich denke, man möchte mit dem Stück insbesondere Jugendliche, aber auch Erwachsene ansprechen, die durch die digitale Welt beeinflusst werden. Das Internet birgt Gefahren und hat große Macht über uns, obwohl wir das nicht bewusst wahrnehmen. Andererseits soll das Theaterstück keine Aufführung mit erhobenem Finger sein, sondern auf das Thema digitale Welt aufmerksam machen.
Insgesamt würde ich das Stück als ein interessantes Experiment bezeichnen, welches jedoch teils unaufmerksam von den Zuschauern verfolgt wurde. Andererseits wird die Einsamkeit des Erwachsenwerdens und die Macht(-losigkeit) des Einzelnen im Internet gut zum Ausdruck gebracht.
Somit möchte ich auch anderen jungen Leuten dieses faszinierende und zugleich schockierende Stück ans Herz legen und weiterempfehlen. Der Inhalt spricht meiner Meinung nach ein sehr spannendes Thema an, welches zeigt, wie aus großer Macht große Verantwortung erwächst.


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