von Nadine D. (27. September 2018 19:29 Uhr)Was würdest du alles für Superkräfte tun? Du könntest irgendwelche Tabletten schlucken, die dir unglaubliche Kraft verleihen oder dir ein Serum spritzen lassen, durch das du unsichtbar, elastisch oder schlau wirst. Es besteht natürlich auch die Chance, dass radioaktive Strahlen dir das Fliegen ermöglichen. Dann bist du wie Superman oder Superwoman! Aber das ist alles unrealistisch. Sowas passiert nur in Filmen. Doch was wäre eine wirkliche Möglichkeit, Superkräfte zu bekommen? Und auf welche Weise geht man damit um?

Wie das mit sozialen Netzwerken möglich wäre und welche Folgen das haben kann, wird in dem Theaterstück „Unter W@sser“ thematisiert. Wir sahen die Premiere am 14. 09. 2018 in den Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Es wurde von Andreanne Joubert und Jean-Francois Guilbault geschrieben. Regie führte Rebekka David.

Louise und Sed sind zwei gewöhnliche Teenager. Beide müssen lernen, mit den alltäglichen Problemen der Jugend umzugehen. Auch der schulische Druck ist bei ihnen merkbar. Sie sind dauerhaft im Stress, ihre Aufgaben zu erledigen, um ein bisschen freie Zeit zu haben. Diese Stunden verbringt Louise mit ihren besten Freunden Guillaume und Joanie. Sed hingegen widmet sich seinem speziellen Hobby: dem Luftanhalten unter Wasser.

Das Leben der beiden Jugendlichen, aber auch das der restlichen Schüler ihrer Schule verändert sich, als Louise zufällig die Daten einer Lehrerin mit allen Prüfungsergebnissen und Noten der Schüler in die Hände bekommt. Sie entschließt sich, diese Macht zu einer „Superkraft“ zu machen. Über ein soziales Netzwerk eröffnet sie eine Gruppe, in der alle Schüler der Schule sind. Dort veröffentlicht sie sämtliche Prüfungsergebnisse. Jedoch macht sie das nicht mit ihrem richtigen Namen. Als „Narziss“ getarnt, versucht Louise, die Wünsche aller Schüler zu erfüllen, sogar die ihres älteren Bruders Eko. Zu allem Unglück verliebt sich dieser in sie. Doch auch Sed findet Gefallen an „Narziss“. Seine Eifersucht verleitet ihn zu Taten, die Ekos Ansehen sehr schädigen.

Bald merkt Louise, dass es gar nicht so einfach ist, eine Superheldin zu sein. Die Aufträge häufen sich, sodass sie gar nicht hinter her kommt, diese zu bearbeiten. Allmählich bricht sie fast unter der Last zusammen.

Das gesamte Stück wurde nur von zwei Schauspielern, Conrad Waligura und Lisa Rothhardt, gespielt. Während der Handlung wechselten sie immer wieder die Rollen. Das verwirrte an manchen Stellen das Publikum. Trotzdem konnte man sich schnell wieder in das Stück hineinfinden, weshalb der rote Faden nicht verloren ging. Neben den ständig wechselnden Rollen war noch ein weiterer Faktor dafür verantwortlich, dass man dem Geschehen auf der Bühne nicht durchgängig folgen konnte.

Die besagte Gruppe, die es in der Handlung gab, wurde tatsächlich für das Publikum in „WhatsApp“ eröffnet und war über einen Bildschirm auf der Bühne für alle sichtbar. Dadurch wurde das Publikum in die Handlung mit einbezogen. In diese Gruppe wurden Entscheidungsfragen gesendet, die das weitere Geschehen auf der Bühne beeinflussten. Neben diesen Entscheidungen wurden jedoch auch andere Nachrichten aus dem Publikum in die Gruppe gesendet, die die Handlung nicht unbedingt unterstützten. Aus diesem Grund gab es Situationen, in denen man mehr auf den Bildschirm achtete und die schauspielerischen Leistungen auf der Bühne vernachlässigte.


Neben diesem technischen Aufwand war das restliche Bühnenbild sehr schlicht gehalten. Es gab eine Erhöhung, von dort aus kontrollierte „Narziss“ das Geschehen. Außerdem wurde die Verwendung von Requisiten stark beschränkt. Mit großen Säcken voller Popcorn stellten die Schauspieler Verschiedenes dar. Da es nichts Speziellem zugeordnet war, konnte es vielseitig verwendet werden. Die Zuschauer konnten nur erahnen, was das Popcorn darstellen sollte. Dadurch waren der Fantasie nur wenige Grenzen gesetzt.

In dem Schauspiel versuchten die Regisseurin, Techniker und Darsteller zu zeigen, wie gefährlich die Anonymität der sozialen Netzwerke sein kann. Man selbst, aber auch andere können ohne erkannt zu werden, Bilder, Texte und anderes im Internet veröffentlichen. Diese Medien sind in der Lage, das Leben eines Menschen zu erschweren oder sogar zu beenden.
Ich selber sehe diese Anonymität auch als ein großes Problem dieser Netzwerke. Sie bilden eine Plattform für Schikanen, Cybermobbing, Propaganda, etc. Dass vor allem junge Menschen, meist auch Kinder damit konfrontiert werden, ist meiner Meinung nach nicht gesund für die noch nicht vollständig entwickelte Psyche.

Das Stück konnte diese Botschaft gut vermitteln. Obwohl es an manchen Stellen schwer zu verstehen war, aufgrund des Bildschirmes und der ständig wechselnden Rollen, empfehle ich das Stück allen weiter, die aus einem Theaterstück eine Botschaft mitnehmen möchten. Außerdem zeigt es durch die Interaktivität der WhatsApp-Gruppe, dass auch das Publikum eine Rolle in einem Schauspiel haben kann.

Ich würde mir dieses Theaterstück gerne noch einmal ansehen. Leider sind die nächsten Aufführungen nur vormittags, weshalb das nicht so leicht machbar ist. Vielleicht können in Zukunft auch nachmittags Termine angeboten werden, da dieses Thema nicht nur Schülern, sondern auch Erwachsenen näher gebracht werden sollte.


Falls Sie in nachträglich in ihrem Eintrag Schreibfehler entdecken oder etwas hinzufügen möchten - Sie können ihn 60 Minuten lang verändern.

Bitte beachten Sie, dass dieses Gästebuch der Meinungsäußerung und Diskussion unserer Angebote und Inszenierungen dient. Wir müssen sämtliche Einträge inhaltlich und rechtlich vertreten können. Unerwünscht sind ebenfalls Einträge die kommerzielle oder zweifelhafte Homepage-Verweise enthalten. Einträge die gegen diese Grundsätze verstossen werden kommentarlos gelöscht.