von Helene (3. Dezember 2019 20:14 Uhr)Michael Kuczynski erzählt (s)eine Geschichte des erfolgreichen Scheiterns
-ein aufrüttelndes Theaterstück für die 12. Klasse

Am 15.11.2019 gab es am Einstein-Gymnasium Angermünde eine Deutschstunde der besonderen Art. Michael Kuczynski von den Uckermärkischen Bühnen Schwedt trat mit dem mobilen Theaterstück „Kurze Geschichte meines erfolgreichen Scheiterns“ im Musikraum unserer Schule auf. Der Text stammt von Fred Apke, der gleichzeitig auch Regie geführt hat.

Das eindringliche und aufwühlende Stück gibt die Geschichte eines Jugendlichen deutscher und polnischer Herkunft wieder, der nach unglücklicher Kindheit die Chance sieht, in der Musik Fuß zu fassen und erfolgreich zu werden.
Aber von vorn:

Das Stück setzt ein, als Zdzisław Krautmann, die Hauptfigur, sich bereits in einer psychiatrischen Klinik befindet. Mit fast beängstigender Nähe zum Publikum, beginnt er, uns seine Geschichte zu erzählen.
Seine Mutter ist Polin und sein Vater Deutscher. Schon von klein auf spürt er, dass er seinen Eltern immer als Last erscheint und seine Kindheit alles andere als konfliktfrei verlaufen ist. Für alle war er immer der „Polacken Bengel“. Seine Eltern streiten sich häufig und trennen sich frühzeitig. Ein anfangs unscheinbarer Clown taucht als Motiv in seiner Lebensgeschichte immer wieder auf. Dieser wirkt zunächst belustigend und fröhlich, verwandelt sich aber später in ein Zeichen besonderer Bedrohung.
Nach der Trennung seiner Eltern blieb Zdzisław bei seiner Mutter, die in Deutschland als Polin nur schlecht bezahlte Jobs erhält und die meiste Zeit als Reinigungskraft arbeitet. Ein Wellensittich soll ihrer Einsamkeit entgegenwirken. In diesem tristen Dasein war der Gesang seiner Mutter das, was Zdzisław dazu bewegte, selbst Musik zu machen. Musik war das Einzige, woran er Halt gefunden hat.

Schließlich trifft er Selma, ein junges Mädchen, das auf der Straße Musik machte und Zdzisław mit ihrem Gesang verzaubert. Die beiden lernen sich näher kennen und lieben. Gemeinsam machen sie Musik und sollen sogar unter Vertrag genommen werden. Doch dieses Glück hält nicht lang an. Als der Musikproduzent Xenon etwas „Poppiges“ verlangt, entscheidet sich Selma gegen den Ruhm und den Erfolg. Im Gegensatz zu Zdzisław, er bejaht die Zusammenarbeit und den damit verbundenen Profit. Jedoch lernt er bald auch die Schattenseiten dieses Business kennen. Er beginnt Drogen zu nehmen, sogar vor seinen Konzerten und ist schließlich ist nicht mehr er selbst. Der Höhepunkt ist die große Musikshow, auf die er monatelang hingearbeitet hat. Vor Showbeginn, kommt es allerdings zu einem Zwischenfall mit dem Produzenten Xenon. Zdzisław hat das ständige Sich-Unterordnen satt. Als Xenon sich als Zirkusdirektor und Zdzisław ihn als seinen Clown betitelt, schießen Zdzisław verzerrte Kindheitserinnerungen in den Kopf: der seltsame Clown über seinem Bett und der im Käfig verschlossene Wellensittich seiner Mutter. Als er auf die Bühne gerufen wird, tanzt er eigenartig und angsteinflößend um den Produzenten und ruft, dass er sich ihm, als seinen „Clown“ unterwerfen wolle. Damit zerstört er direkt auf der Bühne all das, was Xenon mit ihm vorhatte, und somit auch seinen angestrebten Erfolg. Zerstört und zerrissen zwischen sich und ihm immer fremder werdenden Lebensentwürfen bricht alles über ihm zusammen und lässt ihn in einer psychiatrische Klinik landen.

Die Vorstellung Michael Kuczynskis ist sehr gelungen und macht betroffen, erschüttert und traurig zugleich - besonders deshalb, weil die Geschichte nicht fiktiv ist, sondern zumindest ansatzweise dem Leben des überzeugenden Darstellers entstammt. Mit einfachen Mitteln und ohne weitere Kulisse zog der Schauspieler und Musiker das Publikum in seinen Bann. Mit Gesangseinlagen, die er mit einem Keyboard begleitete, berührte er jeden von uns. Wenn er uns scheinbar in seine Geschichte einbezog, einzelne von uns in die Augen sah und vermeintlich uns nach unserer Meinung befragte, war die Spannung am größten und führte uns vor Augen, wie schnell solch ein Absturz jeden von uns betreffen kann. Auf Dauer kann und darf es nicht gelingen, etwas ohne Überzeugung zu tun, nur des Geldes und der Karriere wegen….

Das Theaterstück thematisiert aktuelle Fragen – Chancen von Migranten, Zukunftsorientierung junger Menschen, Gefahr, Lösungen im Rauschgift zu suchen ….

Die Art der Darstellung ist glaubwürdig und schonungslos. Sie berührt und rüttelt auf, erschüttert und rührt zu Tränen. Das Stück ist von Anfang an spannungsgeladen und dynamisch, die Sprache jugendgemäß und deutlich, daher unbedingt sehenswert.


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