von Lisa-Marie L. (9. März 2020 17:24 Uhr)„Ich bin ein deutsch-polnisches Zebra.“ – Ein Satz, der das Theaterstück „Kurze Geschichte meines erfolgreichen Scheiterns“ prägte und auch mich grübelnd zurückließ.

Am 21.02.2020 kamen die UBS wieder einmal zu uns an das Einstein-Gymnasium, in eine der 12. Klassen. Es wurde das an Schüler adressierte, mobile Klassenzimmerstück „Kurze Geschichte meines erfolgreichen Scheiterns“, mit Text und Regie von Fred Apke, aufgeführt. Dieses ca. 45 Minuten lange Theaterstück handelt von einem jungen Mann, der sich nirgendwo zuhause fühlt, der aber durch die Entdeckung seiner Musikleidenschaft und seiner großen Liebe viele Erfahrungen gewinnt, sowohl positive als auch negative. Das Besondere an diesem Stück ist, dass es alleinlediglich von Michael Kuczynski gespielt wird.

Das Stück beginnt damit, dass sich die Hauptfigur Zdzisław Krautmann in einer psychiatrischen Klinik, einer „Klapse“ befindet. Wir, die Schüler, sind seine Therapiemitglieder und uns erzählt er seine Geschichte. Seine Mutter ist Polin und sein Vater Deutscher. Seine Kindheit ist alles andere als glücklich. Er fühlt sich weder in Deutschland noch bei Verwandschaftsbesuchen in Polen heimisch und bezeichnet sich oft als „deutsch-polnisches Zebra“. Für alle Deutschen war er immer nur der „Polacken Bengel“. Seine Eltern stritten sich häufig und trennten sich schließlich. Nach der Trennung seiner Eltern blieb Zdzisław bei seiner Mutter, die in Deutschland nur schlecht bezahlte Jobs erhielt. Als er den Gesang seiner Mutter hörte, entdeckte Zdzisław seine Liebe zur Musik. Durch Zufall gelangt er zu einem alten, klapprigen Klavier und beginnt Liedtexte zu komponieren. Bald darauf schmeißt er die Schule hin und verdient sich sein Geld mittels eines körperlichen schweren Berufs.
Er trifft Selma, ein junges Mädchen, das auf der Straße Musik macht. Gemeinsam spielen sie Musik und werden unter Vertrag genommen. Doch schon bald ist Selma gegen den Vertrag, während Zdzisław bleibt. So lernt er die Schattenseite des Musikgeschäfts kennen und beginnt Drogen zu nehmen. Er verändert sich und ist nicht mehr er selbst. Bei einer Musikshow kommt es zum Streit zwischen Zdzisław und Mr. X. Zdzisław will sich nicht mehr ständig unterordnen. Alles bricht über Zdzisław zusammen und er gelangt in eine Nervenastalt.

Bei diesem Klassenzimmerstück gab es keine große Bühne, Lichteffekte oder großartige Kostüme. Wir bildeten lediglich einen Stuhlkreis und Michael Kuczynski saß zwischen uns mit seinem Keyboard. Es war sehr aufregend, dem Schauspieler so nah zu sein. So konnte ich mich sehr gut in die Hauptfigur hineinversetzen und ihn verstehen. Ich fieberte mit Zdzisław mit. Mit seiner auffälligen bunten Kleidung stellte er sehr gut den jungen Mann dar. In Zdzisławs Geschichte spiegelt sich schließlich auch etwas von Michael Kuczynski Biografie. Das Keyboard und seinen Gesang nutzte er zur Unterstreichung bestimmter Szenen und rundete so das gesamte Erscheinungsbild und die musikalische Begleitung ab. Der Gesang berührte vermutlich jeden von uns. Das gesamte Theaterstück war und ist ein großartiges Werk! Die Geschichte und Darstellung waren bittersüß: Zuerst gab es Situationen zum Lachen, wenn man aber genauer drüber nachdachte, waren sie einfach nur traurig und aussichtslos.

Michael Kuczynski gelingt eine einfühlsame Gestaltung seiner Figur und vor allem den Hintergrund, um den es geht: verschiedene Kulturen, Menschen mit anderer geografischer Herkunft, verschiedenen Interessen oder ein unterschiedliches Aussehen. Dies sollte nicht der Grund für Ausgrenzung oder sogar Verachtung werden.
Mir hat daher das Theaterstück sehr gut gefallen und es zeigte auch, dass keine große Theaterbühne nötig ist, um Dinge verständlich zu machen: Man darf sich von niemanden aufhalten lassen. Wir müssen unsere Ziele verfolgen. Nur dürfen wir uns und unsere Familie dabei nie vergessen.


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