17. Juli 2015

Da ist ja ein Talent!

Fabian Ranglack wird ab der Spielzeit 2015/16 zum Schauspielensemble der Uckermärkischen Bühnen Schwedt gehören. Vor anderthalb Wochen haben die Proben für die „Sonnenallee“ begonnen – das war sein erster Arbeitstag.

Doch schon vor einer Woche stand er das erste Mal vor dem Schwedter Publikum: In der Inszenierung „Ziemlich beste Freunde“ hat er die Rollen von Peter-Benjamin Eichhorn übernommen. Noch überrascht es den jungen Schauspieler, wenn ihn, der doch erst wenige Tage in der Stadt ist, Zuschauer ansprechen, um ihm zu bestätigen: „Das haben Sie gut gemacht!“ Die KollegInnen, die mit Fabian Ranglack zusammen auf der Bühne stehen, sehen das ähnlich: Sie hatte er bereits nach der ersten Umbesetzungsprobe erobert und das, obwohl er nach zwei anstrengenden Schülervorstellungen am Vormittag in Berlin nicht eben gut vorbereitet und ziemlich erschöpft zur Probe erschien. Doch offensichtlich besitzt er die Gabe, die Menschen für sich einzunehmen. Woran das liegt? Am Ende unseres Gesprächs würde ich sagen: an Bodenständigkeit, Humor, Klugheit und praktischer Veranlagung. Doch jetzt stehen wir am Anfang und Fabian eröffnet mit dem ermutigenden Satz: „Ich weiß gar nicht, was du schreiben willst. Ich bin eigentlich total langweilig.“

Schauspieler, Regisseur, Autor …

Fabian Ranglack ist 1987 im Osten von Berlin geboren und aufgewachsen. Sein Bruder ist auf den Tag genau sechs Jahre älter als er; der ist Busfahrer. Die Mutter ist Erzieherin, der Vater übt einen handwerklichen Beruf aus. Fabian wird mit 16 Mitglied im Theaterjugendclub des Theaters an der Parkaue. Noch während der Schulzeit nimmt er an seinem ersten Casting teil – und bleibt drei Jahre als Gast an der Parkaue. Parallel arbeitet er in verschiedenen freien Berliner Theatergruppen und spielt sieben Jahre bei den Darß-Festspielen mit. Fast von Anfang an schreibt und inszeniert er auch selbst. Wächst nebenbei in die Leitung einer eigenen Jugendtheatergruppe hinein, arbeitet mit Kindern. Nicht nur darin wird der Einfluss seiner Mutter spürbar, für die das Theaterspielen wichtiger Teil ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen war und ist. Mit ihr zusammen hat Fabian einige seiner Theatertexte und Bearbeitungen geschrieben.

Entscheidungen

Für die Darß-Festspiele lernt er plattdeutsch und wird dort 2011 für die Compagnie de Comedie – Bühne der Hansestadt Rostock entdeckt und engagiert. Zuerst nur für eine Inszenierung. „Der 10.10.11 war ein Scheidepunkt. Ich stand vor der Wahl, Sozialwissenschaft an der Humboldt-Uni zu studieren oder zur Konzeptionsprobe nach Rostock zu fahren – ohne zu wissen, wie es nach dieser einen Produktion weiter geht.“ Obwohl er von sich sagt, dass er Sicherheit schätzt, bricht Fabian das Studium nach zwei Semestern ab und fährt nach Rostock. Aus der einen Produktion werden vier Jahre Festengagement. „Ein Engagement, das ich vorzeitig beendet habe“, wie er betont. Man hat ihn ungern in Rostock gehen lassen. Der ausgehandelte Kompromiss: Er wird noch bis Jahresende in der Compagnie gastieren und zwischen Schwedt und Rostock pendeln.

Neubeginn

Eine Kollegin hatte ihm erzählt, dass in Schwedt Schauspieler gesucht werden und ihm ans Herz gelegt, sich zu bewerben. Sie hatte mit ihm gearbeitet und kannte sein Talent, seinen Fleiß. „Eigentlich geht’s doch um nischt“, denkt Fabian sich und fährt zum Vorsprechen, um „einfach mal objektiv von Leuten beurteilt“ zu werden, die ihn nicht kennen. Als Schauspieldirektor Olaf Hilliger ihn anruft und ihm einen Vertrag für zwei Jahre anbietet, hat Fabian ein Problem: Er muss seiner aktuellen Chefin beichten, dass er gehen will, auch wenn er ohne zu zögern zugibt: „Die waren schon prägend die vier Jahre in Rostock. Und ich sehe diese vier Jahre auch als eine Art Schule an. Sie haben mich mit tollen Leuten zusammengebracht.“
Rostock hatte ihm auch bestätigt, dass er Regietalent hat: „Das mach‘ ich tatsächlich sehr gern“, sagt er und beginnt sofort zu schwärmen von Projekten, an denen er bereits arbeitet oder die er sich für die nächste Zukunft vorgenommen hat: „Ich hab‘ ‘ne Fassung von Dorian Gray gemacht – das würd‘ ich gern inszenieren. Ich würd’s aber auch an einen talentierten Regisseur abgeben, wenn ich den Henry spielen darf.“ Auch wenn Fabian gern mehr Regie führen würde, ist das keineswegs eine Absage an den Schauspielerberuf: „Ich brauche das – rauszugehen, vor das Publikum zu treten.“ Mephisto würde er „natürlich“ gern spielen, aber eigentlich interessiert ihn jede Figur, für die es um etwas geht.

„Jetzt freue ich mich, hier zu sein.“

Für Fabian ist die Uckermark nicht gänzlich unbekanntes Gelände: Seine Eltern sind mit den Kindern oft ins Berliner Umland gefahren. Chorin kennt er gut. Auch in Schwedt fühlt er sich wohl. Ihm gefällt, dass durch die Nähe von ubs, Kosmonaut und Musikschule eine Art kulturelles Zentrum existiert. Er will sich wieder ein Fahrrad zulegen – sein letztes wurde ihm noch in Rostock gestohlen – und die Uckermärkische Seenlandschaft erkunden, von der ihm die KollegInnen berichtet haben. Aber die Nähe zu Berlin, das Heimat ist und bleiben wird, ist wichtig für ihn. Er mag die Flexibilität der Großstadt, die Möglichkeiten; die großen Entfernungen, die damit einhergehen, weniger. Da liegt in Städten wie Rostock oder Schwedt eben doch alles zeitsparender beieinander. Und wer mit so vielen Ideen und Plänen jongliert wie Fabian Ranglack, muss haushalten – besonders mit der Zeit.