HEARTBEATS Wie schlägt dein Herz – Mission Schwedt
Digitaler StadtspaziergangFormatentwicklung, künstlerisches Konzept und Gamedesign:

Begib dich mit den Herzfressern Raven Ashbeat und Cael Cor oder mit den Herzhütern Sunny Wildheart und Gigi Loop auf eine Mission durch Schwedt, sammle so viele Heartbeats wie möglich und hinterlasse auch deine Spuren in der Stadt. Was glaubst du: Wer ist in der Überzahl? Herzfresser oder Herzhüter? Der Dome auf dem Theatervorplatz ist das Herz der Stadt und zeigt den aktuellen Punktestand.
DAS SPIEL BEGINNT
Spiel dich ab dem 7. Mai mit deinem Smartphone durch Schwedt. Alles was du dazu brauchst, sind ein Smartphone, Kopfhörer und mobile Daten. Du kannst das Spiel jederzeit flexibel und kostenlos spielen. Eröffnung des Dome und Spielstart am 7.5.2026, 19:00 Uhr, Theatervorplatz, Eintritt frei
https://schwedt.love/
HEARTBEATS - LIVE
Sei dabei, wenn das Spiel ab dem 17. Mai lebendig wird und entdecke mit den Figuren Schwedt neu. An allen Ecken warten Überraschungen auf dich. Löse gemeinsam mit Sunny, Gigi, Cael oder Raven Aufgaben, Rätsel und Mutproben und bestimme so, was aus dem Herzen von Schwedt wird. Für die Teilnahme wird kein Smartphone benötigt.
Premiere: 17.5.2026, 17:00 Uhr, Start und Ende am Dome auf dem Theatervorplatz, Tickets an der
Hinweis: Die Teilnahme ist pro Veranstaltung auf maximal 60 Personen begrenzt. Start ist pünktlich um 17:00 Uhr, ein späterer Einstieg in den Ablauf ist nicht möglich. Die Tour ist barrierefrei, wir empfehlen witterungsentsprechende Kleidung.
Premiere: 17. Mai 2026, 17:00 Uhr
| 12.07.2026 17:00 | Vorplatz |
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Die ganze Stadt als Bühne – HEARTBEATS an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt
Im Mai 2026 startete an den Uckermärkischen Bühnen ein ganz besonderes Projekt: HEARTBEATS. Die Produktion verbindet Theaterszenen, Stadtgeschichte und innovative Technologie zu einem außergewöhnlichen Erlebnis im öffentlichen Raum. Das interaktive Theater-Stadtspiel ist auf zwei Arten erlebbar: als kostenloses Handy Game, jederzeit flexibel spielbar, und als geführte Escape-Theatertour durch Schwedt. Für die Uckermärkischen Bühnen ist es bereits das zweite Theaterprojekt mit Einsatz digitaler Technologien. In der letzten Spielzeit wurde das Jugendstück Every Heart is Built Around a Memory als digitales Game Theatre umgesetzt (nominiert für den Deutschen Theaterpreis Der Faust in der Kategorie Medien 2025, Preisträger des Weltenbauer Award 2026 in der Kategorie Innovation der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft).
Beide Projekte wurden von einem interdisziplinären Teams realisiert, dem u.a.
Wie habt Ihr bei der Entwicklung von HEARTBEATS zusammengearbeitet? Wie haben Handlung und Gamedesign/ Spielmechanik ineinander gegriffen?
Samia: Für das Handy Game war die Spielmechanik bis zu einem gewissen Grad durch Toto vorgegeben, die hat sich Markus ausgedacht. Wir haben uns als Regieteam zu viert getroffen, um zu schauen, welche Möglichkeiten es auf diesem Spielfeld gibt. Toto gibt uns bestimmte Dinge vor, eröffnet zugleich aber enorme Spielräume.
Markus: Zur Erklärung: Toto ist eine Internetplattform und App, die es ermöglicht, interaktive Handy-Spiele zu bauen und die bei verschiedenen Events, interaktiven Theaterprojekten, Stadtführungen eingesetzt werden kann. Die Plattform erlaubt es, auf Benutzerbasis nichtlineare Erzählstränge umzusetzen: Also ein Spieler kann links den Feldweg langgehen, ein anderer Spieler rechts – und damit unterschiedlichen Erzählsträngen folgen. Zugleich ermöglicht die Plattform eine Verschränkung von digitaler und analoger Welt: Wir haben in das Handy Game Video- und Audiodateien integriert, gleichzeitig ist man aber in der Stadt selbst unterwegs und muss mit den realen Gegebenheiten vor Ort interagieren. Was die Entwicklung angeht: Es war so eine Art Pingpong. Es gab eine Idee und dann haben wir geprüft, ob und wie sich das umsetzen lässt – sowohl szenisch als auch technisch. Es war ein schrittweiser Prozess. Und das ist mir ganz wichtig zu sagen: Wir haben das als Team zusammen umgesetzt. Nicht nur Gamedesign und Dramaturgie spielten eine Rolle, auch die Bühnenobjekte, die Ausstattung wurde immer mitgedacht.
Samia: Die einzelnen Bereiche – Regie, Gamedesign, Ausstattung – waren nie voneinander zu trennen. Es war ein wenig so wie in einem Garten: Du steckst Beete ab, damit es nicht überwuchert und um genauer zu werden. Und am Anfang war es ein riesengroßer Garten. Viele Ideen für die Handlung kamen auch von den Darstellenden und Schauspielenden selbst. Irgendwann wurde dann alles immer klarer: Wie und welche Figuren durch das Spiel führen sollen, dass man erst im Laufe des Spiels erfährt, wie alles zusammenhängt.
Was kann Eurer Meinung nach ein Theater in einer kleineren Stadt ausprobieren, was an großen Häusern vielleicht schwieriger wäre?
Samia: Ich glaube, es besteht eine Notwendigkeit auch an kleineren Häusern, den Anschluss nicht zu verlieren. In Großstädten werden viele dieser Projekte umgesetzt, weil man es halt kann und die Mittel dafür vorhanden sind. Hier am Haus wird gesehen, dass es nahezu eine Art von Notwendigkeit gibt, sich zu öffnen und weiterzuentwickeln, um öffentlich relevant und am Puls der Zeit zu bleiben. Obwohl für mich Theater so oder so relevant ist, vor allem im ländlichen Raum.
Markus: Auch an größeren Häusern haben solche Projekte, wie wir sie machen, immer auch experimentellen Charakter. Da bestehen gar nicht solche Unterschiede. In erster Linie hängt es von den Entscheidungsträgern vor Ort ab, sich auf solche innovativen Projekte einzulassen … Es sind eher die Menschen, die die Entscheidung für solche Projekte treffen und den Mut haben, sie umzusetzen. In kleineren Städten ist die Auswahl an Angeboten nicht so groß wie in Großstädten … Natürlich müssen sich diese Angebote dann an den Großteil der Bevölkerung richten. Aber genauso wichtig ist es, experimentelle Formate anzubieten, die sich partiell direkt an Jugendliche richten und diese in ihrer Realität abholen, zu der eben auch Smartphones und Games gehören. Das ist hier, glaube ich, nochmal essenzieller, mangels alternativer Angebote und der Abbildung aller Bevölkerungsgruppen.
Das Projekt verbindet Theater, Stadtgeschichte, Gaming und Begegnung. Wo beginnt Theater und wo entsteht etwas völlig Neues? Was ändert sich, wenn der städtische Raum zur Bühne wird?
Samia: Die Position der Zuschauenden verändert sich sehr im Gegensatz zum klassischen Theater. Sie entscheiden mit, beeinflussen damit den Verlauf der Handlung und den Ausgang der Geschichte. Sie werden mehr als bloße Zuschauende. Wenn die Stadt die Bühne ist, bist Du als Zuschauer*in mittendrin, Du bist Teil des Geschehens und bestimmst aktiv mit.
Markus: Mit dem Einzug von Social Media hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Statt mediale Inhalte einfach nur zu konsumieren, kann jetzt jeder selbst Content kreieren, Posts veröffentlichen usw. Mit dem, was wir hier machen, führen wir das eigentlich nur konsequent fort, indem wir die Zuschauer zu aktiven Teilnehmern machen. Das wird das klassische Theater nicht ersetzen, bei dem man im Zuschauerraum sitzt, ohne etwas entscheiden zu müssen. Es ist keine Konkurrenz, aber eine Erweiterung davon, die vor allem junge Menschen in ihrem Alltag abholt.
Samia: Insofern entsteht nicht etwas völlig Neues, sondern eher die Ausdehnung eines Theaterbegriffs, der bisher mit dem Bildungsbürgertum verbunden wurde, auf etwas, das wir heute in vielen Bereichen als selbstverständlich wahrnehmen.
HEARTBEATS spricht ein Publikum aller Altersklassen an. Für die Stückentwicklung habt ihr mit der Bürgerbühne zusammengearbeitet, die Menschen verschiedener Altersklassen umfasst, und die auch mitspielen. Wie habt ihr diese Zusammenarbeit erlebt, wie habt ihr den Blick auf Schwedt wahrgenommen?
Samia: Ja, von 15 bis 82 Jahren waren alle Altersklassen dabei. Für mich waren diese Momente spannend, in denen die sehr jungen Menschen mit den überwiegend älteren, auf die 80 zugehenden, in einem Raum zusammen waren, sich miteinander unterhalten haben. Die Älteren haben viel über die Stadt in den 1960er Jahren erzählt, als sie selbst noch jung waren in einer jungen Stadt. Diese Stadt hat gekocht. 90 % waren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört, sie haben alles zusammen aufgebaut. In jeder Straße gab es mindestens eine Kneipe, es gab Tanzcafés, ein Waisenhaus mit über 60 Kindern. Und diese Generation ist jetzt mit Jugendlichen konfrontiert, die sagen, sie sind jung – aber in einer alten Stadt. Es ist, als wenn sich zwei Bilder derselben Stadt übereinander schieben. Man sieht plötzlich, was es alles einmal gab. Und versteht das vielleicht auch als Möglichkeit, dass es das alles einmal wieder geben könnte. Dass man den Ort, an dem man lebt, auch selbst verändern und gestalten kann. Wenn HEARTBEATS wenigstens das für einige Menschen spür- und erlebbar macht, wäre das die Reaktion, die ich mir wünschen würde. Zu erfahren, dass ein Ort mehrere Schichten haben kann.
Markus: Was wir machen in diesem Spiel, sei es beim Handy Game oder den Live Events, ist ja auch folgendes: Wir legen eine Art virtuellen Layer über den echten Stadtraum, über die echte Stadt. Die Menschen gehen durch ihren Ort, wie sie ihn kennen – bekommen aber noch einmal eine ganz andere Perspektive. Und können im Spiel eigene Entscheidungen treffen und dabei merken: Ich selbst kann etwas beeinflussen, etwas verändern, das dann von der virtuellen in die analoge Welt transportiert werden kann. Und dass das alles nicht im Habitat einer Bühne stattfindet, sondern im öffentlichen Raum hat für mich auch eine fast politische Komponente: Wir holen uns unsere Stadt zurück, das ist unsere Stadt, wir können die gestalten, wir bewegen uns darin. Und um dann wieder zum ländlichen Raum zu kommen: Social media wird bestimmt von irgendwelchen Influencern, die in irgendwelchen Hot Spots sitzen, zum Beispiel Berlin – da sieht man dann den Fernsehturm, die Themse oder weiß ich was. Die sind nicht in Schwedt, sondern immer ganz weit weg, wo es vermeintlich ganz toll ist. Aber nicht da, wo die Menschen vielleicht einen eigenen Bezug zur eigenen Realität, zur eigenen Stadt haben. Und durch dieses Projekt und den Trailer, den wir gemacht haben, und den Jugendliche hier auf Instagram gesehen haben, sehen sie plötzlich ihre eigene Stadt, ihr eigenes Theater, die eigenen Orte, an denen sie sich bewegen. Man schaut halt durch dieses Handy auf einmal nicht mehr nur diesen Leuten draußen in der Welt zu, sondern schaut auf seine eigene Stadt …
Samia: Es geht auch um die eigene Wahrnehmung. Wir können auf ein- und denselben Ort ganz unterschiedlich schauen. Dadurch, dass man durch eine Stadt geht und Geschichten erfährt, von denen man vorher vielleicht noch nichts wusste und an Orte geht, die man vorher nicht bemerkt hat, ist auch die Erfahrung möglich: Ich entscheide, wie ich meine Stadt sehe. Ob ich alles negativ finde oder doch die Perspektive wechsle. Bei der Stückentwicklung habe ich so viele Liebesgeschichten über Schwedt gehört, Menschen, die von ihren Erfahrungen berichtet haben, von ihrer Ankunft nach der Flucht … Das ändert den Blickwinkel auf den Ort, obwohl dieser selbst sich nicht geändert hat. Aber meine Entscheidung, wie ich auf diesen Ort blicke, hat sich vielleicht geändert.
Was die technische Umsetzung angeht, arbeitet Ihr mit KI-Tools und einer autarken Infrastruktur. Könnt Ihr das näher beschreiben?
Markus: Wir haben im Spiel ja sehr persönliche Geschichten eingebaut. Echte Geschichten von echten Menschen, die sehr berührend und authentisch sind. Über das Haus wurde uns die technische Infrastruktur zur Verfügung gestellt, um dort eigene KI-Tools zu hosten. Wir sprechen hier von digitaler Souveränität, nicht von Chat GPT oder Claude. Unsere Daten gehen nicht in die Staaten, wir haben das alles selber umgesetzt und das landet in unserem eigenen Rechenzentrum. Das mag auf den ersten Blick nicht so wichtig sein, aber ich finde, dass das ein ganz bedeutender Punkt ist. Wir sollten uns eben nicht genau in diese Abhängigkeit begeben, wie es derzeit viele Menschen und Unternehmen tun. Wir experimentieren damit, wie wir verantwortungsvoll mit neuen Technologien umgehen. Sprich, wir machen uns Gedanken darüber, was passiert mit unseren Daten, wer darf die lesen. Daraus ergeben sich aber auch wieder neue Herausforderungen. Unser System ist nicht so schnell, wie es derzeit vielleicht gemeinhin üblich ist. Dafür haben wir nicht die technischen Mittel wie bspw. Open AI und das muss dann dramaturgisch abgefangen werden. Aber ich finde es enorm wichtig, verantwortungsvoll mit diesen Technologien umzugehen, und unserem Publikum mit Respekt und Sensibilität zu begegnen.
Samia: Und ganz nebenbei: Auch wenn es jetzt aus dramaturgischer Notwendigkeit heraus entstanden ist, finde ich es wirklich wahnsinnig schön, in diesem Stuhl im Dome zu sitzen, auf die Lindenallee zu schauen und diese Musik zu hören, während die KI rechnet… Das ist so friedlich, das sollte man unbedingt mal ausprobieren.

Darsteller und Darstellerinnen | |
|---|---|
| Raven Ashbeat / Isa Schlagow | Katharina Apitz |
| Cael Cor / Tommy Schneider | Dennis Weissert |
| Gigi Loop / Elly Westfall | Antonia Schwingel |
| Sunny Wildheart / Felix Schlagow | Daniel Richard Bogacki |
| Freddy Grey / Bodyguard | Christian Hirseland |
| Heartbeats / Herzfresser / Herzhüter | |
| (Mitglieder der Bürgerbühne Schwedt e.V.) | |
Inszenierungsteam | |
| Formatentwicklung, künstlerisches Konzept und Gamedesign | Samia Chancrin |
| Markus Schubert | |
| Sarah Methner | |
| Stückentwicklung | |
| Produktionsleitung, Regieassistenz | Daniel Richard Bogacki |
| Regieassistenz, Video, Fotos | Christian Hirseland |
Stand vom 05.05.2026






